Biokommunikation: Bakterien kommunizieren und stimmen sich ab. Störung der Kommunikation führt zu neuen Medikamenten

Kommunikationsqualität & Konfliktpotentiale: Dieses Praxisbeispiel zeigt sehr anschaulich, wie die Komponenten aus dem Gedankenmodell des Energieerhaltungssatzes der Kommunikation zusammenwirken. Dabei geht es darum, dass bei gleicher Energiemenge Kommunikationsqualität und Konfliktpotentiale miteinander korrelieren. Außerdem wird deutlich, dass dies nicht nur für menschliche Kommunikation Gültigkeit hat, sondern für jede Form der Kommunikation.

Der Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis wird in 2021 an die amerikanischen Mikrobiologen Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman verliehen. Sie erhalten den Preis für die Entdeckung, dass Bakterien untereinander kommunizieren können. Dabei senden und empfangen diese Signale und analysieren sogenannte Sprachmoleküle. Diese chemische Kommunikation erlaubt es den Bakterien zu erkennen, ob sie alleine vor Ort sind oder sich viele Artgenossen dort versammelt haben.

Wenn die Anzahl der Mikroorganismen einen bestimmten Wert überschreitet, wechselt das individuelle Verhalten zu einem gruppenspezifischen Verhalten und die Baktieren können „losschlagen“. Die Forscher nennen diese Art der Kommunikation „Quorum Sensing“. Bassler selbst erkannte bereits in den beginnenden 1990er Jahren unterschiedliche Sprachmoleküle. Diese informieren die Bakterien sogar darüber, ob sich andere Arten in der Nähe befinden und welche Art in der Überzahl ist. Durch das „Quorum Sensing“ sind die Mikroorganismen damit in der Lage, sich in Gruppen zu organisieren und sich als soziale Struktur zu koordinieren.

Die Entdeckung ist deswegen so wichtig, da es nun möglich ist, die Kommunikation der Bakterien gezielt zu stören. Dies hat zur Folge, dass die Mikroorganismen sich nicht mehr abstimmen können und Krankheiten in Folge ausbleiben. Damit könnten Antibiotika reduziert werden, gegen die Bakterien vermehrt Resistenzen entwickeln.

In diesem Fall biologischer Kommunikation ist der qualitative Anspruch der, dass die Bakterien sich nicht mehr untereinander abstimmen sollen. Es ist daher erwünscht, die Konfliktpotentiale der Kommunikation zu steigern, womit gemäß der „Goldenen Regel der Kommunikation“ eine Senkung der Kommunikationsqualität einhergeht. Anders herum ausgedrückt. Eine hohe Kommunikationsqualität unter den Bakterien führt zur Krankheit. Die Störung der Kommunikation kann diese verhindern.

Mehr Informationen und Hintergründe zu diesem Kommunikationsthema finden sich unter https://www.badw.de/fileadmin/pub/akademieAktuell/2017/60/AA_0117_10_Papenfort_V04.pdf (aus 2017)
https://www.tagesschau.de/inland/paul-ehrlich-preis-113.html (2021).

Wer den Energieerhaltungssatz in der Kommunikation kennenlernen möchte und mehr über den Zusammenhang zwischen Kommunikationsqualität und Konfliktpotential auch bei zwischenmenschlicher Kommunikation wissen möchte, dem sei mein Buch zum Thema ans Herz gelegt. Mehr Infos dazu unter https://mensch-und-betrieb.de/buch