Die Mitgliederversammlung 13 war die letzte, die ich als Geschäftsführer des Kompetenznetzwerk für Oberflächentechnik e.V. durchführen durfte. Im November 2011 fing ich bei der EN-Agentur in Hattingen mit der Aufgabe an, Unternehmen der Oberflächentechnik in den Regionen EN-Kreis, Bergisches Städtedreieck und dem Kreis Mettmann zusammen zu bringen. Bereits vor dem regulären Projektende haben die Betriebe dann den Verein gegründet, der bis heute mit hoher Fachkompetenz und Zukunftsvisionen durch die Mitglieder unabhängig unterhalten und betrieben wird. Seinerzeit hat die Gründungsversammlung die Einsetzung eines Geschäftsführers beschlossen und mich dazu bestellt.
Nun sind wir 14 Jahre weiter und ich habe meine Aufgabe in neue Hände gegeben. Dabei erhielt Maria Echavarria von allen Mitgliedern einstimmig ihre Unterstützung und somit wurde sie vom Vorstand zur Geschäftsführerin unseres Vereins bestellt. Ich selbst habe im Zuge dessen die Ehrenmitgliedschaft im Verein erhalten, womit ich wirklich nicht gerechnet habe. Das hat mich sehr gefreut und ich bin darauf sehr stolz.
In einigen Gesprächen wurde ich gefragt, warum ich den jetzt die Aufgabe abgegeben habe. Ob ich in Rente gehen würde oder ob irgend etwas vorgefallen ist. Beides ist nicht der Fall (Rente steht bei meinem Werdegang sowieso nicht an) und ich bin diese Veränderung auch nicht leichtfertig angegangen. Allerdings stand und steht unser Verein immer schon für Fortschritt und maximale Flexibilität. Für den Blick nach vorne. Dazu gehört dann auch, Veränderungen in der eigenen Umwelt wahrzunehmen und daraus Schlüsse zu ziehen. Man muss sich nicht zwanghaft an alles anpassen, aber es ist schon wichtig, Veränderungen wahrzunehmen und darauf zu reagieren. Wenn man es dann für erforderlich hält, sich angepasster in veränderten Rahmenbedingungen zu bewegen, dann würde ich das empfehlen. Das meine ich nicht nur für unseren Verein als Struktur, sondern auch für einzelne Menschen. Das ist zudem mein eigenes Lebensmotto.
Selbstverständlich bleibe ich dem Verein erhalten und verbunden, wenngleich auf einer anderen Ebene. Ich werde mich verstärkt um die KI-Technologie kümmern, die wir mit der Einführung des „ersten sprechenden Technologienetzwerkes in Deutschland“ für die Mitglieder am 14.2.2025 begonnen haben. Hier ist unser Ziel, diese Technik immer weiter anzupassen und auszubauen, damit wir nicht nur jetzt der Pionier sind, sondern auch in der Zukunft. Denn die Technologie verspricht sehr viel, wobei einige Versprechen noch nicht eingehalten werden können, da sie einfach noch nicht so weit sind, wie es sich manchmal anhört. Wir stehen damit am Anfang.
Ich bin als Bildungswissenschaftler und Mediator den Menschen und ihrem Verhalten sehr verbunden. Deswegen bin ich froh, mich in Zukunft im Rahmen meiner Geschäftsführenden Tätigkeit in der Personal-Netz e.V., inhaltlich noch mehr mit den Menschen im Betrieb beschäftigen zu können. Bei meinem Vortrag auf der Messe Elektrotechnik in Dortmund über die Ängste, die KI bei Menschen auslösen können, waren sehr viele Zuhörer. Alle Sitzplätze waren besetzt und die Leute standen dann noch außen herum. Ich bemerke immer wieder, wie interessiert Menschen zuhören, wenn wir Technologie und Arbeit „vermenschlichen“. Unsere körperliche Hardware und unsere physikalischen Funktionen sind (auf den modernen Menschen bezogen) über 380.000 Jahre alt. Diese kann man nicht einfach umkonstruieren wie eine Maschine. Wenn man genau hinschaut sind wir dabei zu vergessen, dass wir als Menschen bestimmte und nicht zu diskutierende Grundbedürfnisse haben. Sollte die Technik und die Wirtschaft uns die Erfüllung der Grundbedürfnisse nicht mehr gestatten dann ist die Frage gerechtfertigt, ob wir uns als Menschen überhaupt noch ernst nehmen.
Ob der Mensch im Mittelpunkt steht, wie viele Unternehmen behaupten, lässt sich zum Beispiel in Supermärkten daran erkennen, ob es dort Kundentoiletten gibt, wie die aussehen und ob die Benutzung etwas kostet. Das Klo dient uns in unseren heutigen Gesellschaften als Grundpfeiler zur Erfüllung eines wesentlichen, biologischen Grundbedürfnisses. Gibt es im Supermarkt kein Kunden WC, so steht der Mensch nicht im Mittelpunkt, sondern ausschließlich der Mensch als Konsument.
Es ist hier die alte Frage, die wieder deutlich zutage tritt. Wofür sind die Technik und die Wirtschaft da? Für uns als Menschen? Oder dient sie zum Selbsterhalt nur sich selbst? In meinem Buch „Theorie & Praxis im deutschen Bildungssystem“ sind diese Dinge, mit Blick auf Bildung und Ausbildung, Thema in 90 kurzen Beiträgen, die allesamt aus dem persönlichen Erleben, aus Alltagssituationen in Betrieben und Unternehmen, aber eben auch aus der Wissenschaft entstanden sind.
Auch wenn ich maximal technikbegeistert bin, bleibe und mein ganzes Leben ein „First-Mover“ von Technik war, so möchte ich das nun umso mehr mit den menschlichen Aspekten verbinden. All dies hat zur Entscheidung geführt, meine Aufgabe in dem Kompetenznetzwerk für Oberflächentechnik e.V. abzugeben.
Ich wünsche Maria Echavarria als Mensch und waschechte Chemikerin (Atmosphärenchemie) eine glückliche Hand bei ihrer neuen Aufgabe. Ich stehe ihr gerne zur Seite und bin überzeugt, dass diese Veränderung für unseren Verein als Ganzes, ein großer Gewinn ist.
Ich möchte mich auch bei allen Mitgliedern des Vereins, allen Vorstandsmitgliedern und bei der EN-Agentur, in Person Katja Kamlage als Geschäftsführerin sowie Jürgen Köder als ehemaliger Geschäftsführer, für die langjährige Unterstützung bedanken, ohne die ich meine Aufgabe gar nicht hätte umsetzen können. Beginnend mit Dr. Ulrich Irle, Michael Busenbecker und Ralph Wörheide ergaben sich über die letzten drei Jahre Veränderungen in Vorstand, welcher aktuell aus Dr. Katharina Kölsch, Dr. Ulrich Jüpter und Katharina Gensowski besteht. Unser Verein und unsere Mitglieder dürfen mit Recht stolz auf alle Vorstandsmitglieder sein, denn diese Arbeit findet zusätzlich zum individuellen betrieblichen Alltag statt. Dabei haben bisher alle Vorstandsmitglieder auf Vergütungen verzichtet. Das verdient meine höchste Anerkennung. Und ich habe mich sehr gefreut, dass jeder und jede der Genannten auf der Mitgliederversammlung anwesend war.
Wir sehen uns! Achim Gilfert
P.S. Wer noch nicht Mitglied ist, kann es hier werden.